Dorotheen Quartier – Stuttgarts neue Mitte?

Großbaustelle Stuttgart. Überall wird gebaut. Schaffe, Schaffe, Häusle baue – oder gleich ein ganzes Stadtquartier. Während andere Baustellen in der Stadt bekanntlich eine never-ending-Story sind, hat man zwischen Breuninger und Karlsplatz verhältnismäßig schnell das Dorotheen Quartier hochgezogen. Das aus mehreren Gebäuden bestehende DOQU, wie die Coolen es nennen, soll Stuttgart eine neue Mitte geben. Und ja, das war in der Ecke auch dringend nötig! Während der Marktplatz inzwischen einer fast ausgestorbenen Betonwüste gleicht, hat sich das Leben jetzt einfach ein paar Meter weiter verlagert. Von vorm Breuninger nach hinterm Breuninger sozusagen – alles eine Frage der Perspektive.

Schon auf den ersten Blick in Stuttgarts angeblich neue Mitte wird klar – das Dorotheen Quartier soll vor allem Leute mit dem nötigen Kleingeld anziehen. Im wahrsten Sinne. Ein Mix aus Gastro und Shopping. Ein Blick in die schicken Läden, Cafés, Bars und Restaurants zeigt eine Zielgruppe von meist gut betuchten ü40ern auf. Aber das passt ja auch ganz gut in diese Ecke zwischen Breuninger, Karlsplatz und Markthalle. Und es ist tatsächlich schick geworden, das DOQU, passt hier ganz gut ins Stadtbild und architektonisch finde ich sogar das viel diskutierte Dach interessant. Vielleicht wird das Geheimnis um die ominöse „Schutzfolie“ ja irgendwann gelüftet?!

Was beim Betreten des Dorotheen Quartiers aber vor allem auffällt ist, dass auf dem neuen Spielplatz der Schönen und Reichen Stuttgarts noch alles etwas unfertig erscheint. So prägen Bauzäune und Baustellenlärm ebenso das „neue Stadtbild“, wie durchgestylte Läden und schickes Klientel. Und wo draußen bei der Sansibar der Champagner bereits unterm Baustellengerüst fließt, haben einige der Läden bisher nur teilweise oder auch noch gar nicht eröffnet.

Während die Gastronomieflächen – darunter Sansibar, Nesenbach, Eduard’s, Enso Sushi und OhJulia – teilweise riesig geworden sind, wirken einige der schicken, neuen Klamottenläden (oder Boutiquen… oder auch Stores) etwas unterdimensioniert.

So ist Tiger of Sweden mit einem winzigen Laden vertreten und der Scotch & Soda ist quasi eine Kopie des bereits bestehenden Stores in der Calwer Straße. GANT, Woolrich, Peak Performance und Co. sind nicht so meine Marken, dafür aber tatsächlich neu in Stuttgart (oder mir einfach vorher nie aufgefallen?!) und VIU Eyewear zog mit seinen Brillen vom Fluxus zum Luxus.

Auch der Hugendubel feiert im Dorotheen Quartier sein Stuttgart-Comback, während mit dem HIT ein Newcomer im Segment der „Luxus-Supermärkte“ entstanden ist.

Wer im Dorotheen Quartier jetzt die krassesten Luxusmarken wie Prada, Gucci oder Chanel erwartet, der muss auch weiterhin nach Paris, Mailand oder einfach direkt in Breuninger gehen. Das Dorotheen Quartier ist teuer, aber jetzt nicht so sehr, dass man ungläubig auf die Preisschilder starrt. Die schwäbische Variante eines Luxusviertels.

Selbstverständlich ist auch Essen und Trinken im DOQU nicht gerade günstig. Ob der Burger aus der Sansibar weit über 20 Euro und die Currywurst 12 Euro (ZWÖLF EURO!!!) kosten muss, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich habe mich bei meinem Besuch im Dorotheen Quartier dann für OhJulia entschieden, einem neuen Italiener aus der Systemgastronomie. Der Laden ist riesig, genug Sitzplätze drinnen und draußen. Auch hier sind die Bauarbeiten noch in vollem Gange, es wird gehämmert und geschraubt. Bestellt wird bei OhJulia direkt an der Theke, Selbstbedienung ist angesagt. Das Angebot überzeugt mit Pizza, Pasta, Salat oder sehr gut aussehende Antipasta-Tellern.

Meine Pizza Rustica mit Parmaschinken, Rucola und Parmesansplittern kostet 12 Euro (als „normale“ Größe), die Apfelschorle (weil Mittag) fast vier Euro. Auch der Salat meiner Begleitung liegt bei über 10 Euro. Im Dorotheen Quartier ist halt alles ein bisschen teurer, wobei bei OhJulia alles noch im Rahmen liegt. Im Vergleich zur restlichen DOQU-Gastro!

Nachdem wir die Getränke selbst an der Bar abgeholt haben, wird das Essen direkt an den Tisch gebracht. Damit das Servicepersonal bei der Anzahl von Sitzplätzen nicht den Überblick verliert, werden wir dafür mit einem Pager zur Ortung ausgestattet. Durchaus sinnvoll!



Meine Pizza ist gut. Der Boden knusprig, der Belag schmeckt und die Größe ist auch für mich – mit viel „mimimi – ich hab soooo Hunger!“ –  in Ordnung. Auch am Salat gibt’s nichts auszusetzen. „Vapiano de luxe?“ wurde ich auf Instagram gefragt. Ja, ein bisschen. Für ein eher schnelles Essen in der Stadt oder auch für die Mittagspause ist OhJulia okay. Für ein entspanntes Abendessen gehe ich dann doch lieber in die Pizzeria meines Vertrauens. Home is where Marienplatz is, weisch ja, gell?!

Mehr Cafés und Restaurants in der Innenstadt! Am besten in der Nähe zur Königsstraße! Das hat man sich in Stuttgart so lange gewünscht – das Dorotheen Quartier ist da schon mal ein Anfang. Und man kann ja auch einfach mal was gut finden…

 

Mojo

 

 

 

 

 

 

3 comments

  1. Haha, Schutzfolie.. Der war gut. Dach bleibt wie es gerade ist und wie es auch von benisch Jr. geplant war..leider kacke. (oh, glasdach, geil! Oh, shiiit, Sonne, wir müssen es verschatten.. Ej, in der uni für solche Konzepte wäre man in den ersten Semester aus der architekturfakultät rausgeflogen..)

    Ich habe sehr geteilte Meinung zu den neuen szeneviertel. Schon wieder monströse bauten, schon wieder unüberlegte verkehrskonzepte und Architektur eher mittelmäßig. Aber was wollen wir denn, wir Stuttgarter. Wir haben ja keine berühmte Architekturfakultäten, keine Möglichkeiten (also Geld und so) für fortschrittliche Stadtplanung und Architekten gibt es hier eh kaum. /Sarkasmus off

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*