Corona in Stuttgart: Vom Vermissen der Clubs

Eigentlich bin ich nicht abergläubisch, doch seit dem 13. März 2020 sind die Clubs im Kessel nun geschlossen. Das Nachtleben in unserer Stadt kam an diesem Tag mehr oder weniger komplett zum Erliegen. Lange sind sie her, diese Nächte, die man in vollen, heißen, stickigen Räumen mit vielen anderen Menschen durchgetanzt und durchgeschwitzt hat. Viel zu lange ist es her, dass ich mir mitten in der Nacht einen Döner für den Heimweg gekauft hab und viel zu lange ist es her, dass ich am nächsten Tag erstmal meine Sneaker putzen musste.

Zwischen lauter Musik und klebrigem Boden

Genau wie Museen, Kinos, Theater oder auch Konzerte gehören Clubs zum Leben in einer modernen Großstadt dazu. Und ohne Nachtleben wird es überall recht schnell still, egal ob in Stuttgart oder – man mag es ja kaum glauben – sogar in Berlin. Es gab Zeiten, da wollten alle recht zentral wohnen, damit man „nach dem Feiern schnell daheim ist“. Und während die einen „müde von der Woche“ waren oder vermutlich immer noch sind, hat es mich an den Wochenenden immer wieder raus in die Stuttgarter Nacht gezogen. Ein, zwei Bier mit Freunden in der Stammkneipe ums Eck und irgendwann ab in den Club. Tanzen gehen. Das Leben oder einfach nur das Wochenende feiern. Es gab Momente, da hat ein gelungener Abend im Lieblingsclub die komplette, manchmal doch ziemlich bescheidene Woche, zum Positiven gewendet. Game Changer. Ich wünschte, das könnte man mit der aktuellen Zeit auch einfach so machen. Es klingt nostalgisch, aber ich vermisse die Clubs, diese Welt zwischen lauter Musik und klebrigem Boden.

Mehr als nur Freizeitspaß

Clubs sind mehr als eine nette Freizeitbeschäftigung. Clubs bringen Menschen auf der ganzen Welt zusammen. Dinge, die die heimische Couch und Netflix halt nicht so einfach schaffen. Oder wann hattet ihr zuletzt einen „legendären“ Fernsehabend, von dem ihr noch Wochen später berichtet habt? Im Club können Menschen den Alltag für ein paar Stunden vergessen, für viele sind Clubs Zufluchtsorte, die es jetzt schon seit geraumer Zeit so nicht mehr gibt.
Auch für die Protagonisten des Stuttgarter Nachtlebens ist die Corona-Pandemie mehr oder weniger der Supergau. Schließlich sind die Clubs ihre Lebensgrundlage. Doch auf den Tanzflächen der Stadt herrscht gähnende Leere, die Türen sind verschlossen, die Musik bleibt aus. Und uns bleibt nur die Hoffnung, dass das Bild der hochgeklappten Bürgersteige, das abends vor allem jetzt im Winter allgegenwärtig ist, nicht von allzu großer Dauer mehr sein wird. Natürlich geht Gesundheit immer vor, aber trotzdem sollte klar sein, dass Clubs mehr sind als ein bisschen Spaß mit Drinks und Musik. Clubs sind Kultur. Und die darf man durchaus vermissen.

When the Party’s over…

When the Party’s over… bleiben wir zuhause, treffen Freunde online, schauen eine Serie nach der anderen, machen schweißtreibende Home Workouts oder lesen einfach mal wieder ein Buch. Die Erinnerungen an den letzten Clubbesuch verblassen langsam. Es war eine Party in der Rakete, vorher waren wir im White Noise, draußen war es eisig kalt – und irgendwer war müde und wollte früher heim. „Feiern gehen kann man ja immer…“ – wer hätte gedacht, dass sich das Blatt so schnell wendet. Liebe Clubs, ihr werdet sehr vermisst. Hoffentlich können wir uns schon ganz bald wiedersehen.

 

Dieser Beitrag von mir ist am 04.01.2020 bei Stadtkind Stuttgart erschienen.